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Haftung für Schäden bei Schiffsunfällen: Wer kommt für den Schaden auf?

Wie wird die rechtliche Haftung bei Seeunfällen bestimmt? Rechtsanwältin Gizem Gonce antwortet

Kollisionen zwischen Handelsschiffen, auf See verlorene Ladung oder das Sinken eines Schiffes können erhebliche Vermögensschäden verursachen. Wer ist bei Seeunfällen für den Schadensersatz verantwortlich? Wie werden die Rechtsstellungen des Reeders, des Kapitäns, des Frachtführers und des Versicherers bestimmt?

Unfälle im Seehandel beschränken sich nicht auf Sachschäden an Schiffen. Auch Streitigkeiten über hohe Schadensersatzbeträge können entstehen, an denen Ladungseigentümer, Importeure, Exporteure, Schiffsbetreiber und Versicherer beteiligt sind.

Wenn Schiffe kollidieren, Ladung ins Meer fällt, die Fahrt beeinträchtigt wird oder Besatzungsmitglieder zu Schaden kommen, ist es besonders wichtig festzustellen, welche Partei verantwortlich ist. Der bloße Eintritt eines Unfalls belegt jedoch für sich allein nicht, dass eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Unternehmen rechtlich haftet.

Rechtsanwältin Gizem Gonce, die Fragen des Seehandelsrechts beurteilt, betont, dass Verschulden bei Seeunfällen, die Haftung des Reeders und der Versicherungsschutz getrennt voneinander zu prüfen sind.

Die Kollision der türkisch beflaggten Handelsschiffe Alsu und Tuğberk İmamoğlu vor Silivri im Marmarameer am 2. September 2026, bei der Tuğberk İmamoğlu sank, rückte die Haftungsfragen des Seehandelsrechts erneut in den Fokus. In einem vorläufigen Sachverständigenbericht zum Vorfall wurden verschiedene Mängel in der Navigation und den Sicherheitsmaßnahmen beider Schiffe bewertet; außerdem wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Fragen und Antworten

Wer bezahlt den entstandenen Schaden, wenn zwei Handelsschiffe kollidieren?

Rechtsanwältin Gizem Gonce: Zunächst ist festzustellen, wie sich der Unfall ereignet hat, ob die Schiffe die Navigationsregeln eingehalten haben und welche Pflichten die Parteien nicht erfüllt haben. Im Rahmen der Vorschriften des türkischen Handelsgesetzbuchs zu Seeunfällen werden das Verschulden der an der Kollision beteiligten Schiffe und dessen Einfluss auf die Entstehung des Schadens beurteilt. Es ist möglich, dass mehrere Schiffe schuldhaft gehandelt haben. Umfang des Schadensersatzes und die Haftung zwischen den Parteien richten sich nach den Umständen des konkreten Falls.

Haftet der Reeder für sämtliche von seinem Schiff verursachten Schäden?

Rechtsanwältin Gizem Gonce: Die Haftung des Reeders ist ein grundlegendes Thema des Seehandelsrechts. Reeder, Schiffsbetreiber, Frachtführer und Kapitän haben jedoch nicht in jedem Fall dieselbe rechtliche Stellung. Verträge, Verschulden, Art des Schadens und anwendbare Vorschriften sind zu prüfen. Außerdem kann für bestimmte Seeansprüche unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Haftungsbeschränkung in Betracht kommen.

Deckt der Versicherer sämtliche bei einem Unfall entstandenen Schäden?

Rechtsanwältin Gizem Gonce: Das Vorhandensein einer Versicherungspolice bedeutet nicht, dass jeder Schaden vollständig ersetzt wird. Schäden am Schiff selbst können unter eine Kasko- und Maschinenversicherung fallen; bestimmte Haftungen gegenüber Dritten können durch eine P&I-Versicherung gedeckt sein; für die beförderten Waren kann eine Transportgüterversicherung in Betracht kommen. Deckungssummen, Ausschlüsse, Selbstbehalte und Anzeigepflichten sind ebenfalls zu prüfen.

Was sollten Geschädigte nach einem Seeunfall zuerst tun?

Rechtsanwältin Gizem Gonce: Zunächst sind die Sicherheit von Personen zu gewährleisten und die erforderlichen Notfallmeldungen vorzunehmen. Danach sollten Unfallberichte, Navigationsaufzeichnungen, Ladungsunterlagen, Fotos, Gutachten und Versicherungsschriftverkehr gesichert werden. Vertragliche und gesetzliche Meldefristen sollten unverzüglich geprüft werden, damit keine Rechte verloren gehen.

Die Schadensersatzhaftung bei Seeunfällen richtet sich nicht allein nach dem Unfallausgang, sondern auch nach Verschulden, Verträgen, dem Kausalzusammenhang zwischen Verhalten und Schaden sowie den anwendbaren Vorschriften.

Von wem kann der Ladungseigentümer Ersatz verlangen, wenn das Schiff sinkt?

Rechtsanwältin Gizem Gonce: Zunächst sind der Beförderungsvertrag, das Konnossement, die Ladungsversicherung und die rechtliche Einordnung des Vorfalls zu prüfen. Für Verlust oder Beschädigung der Ladung kann eine Haftung des Frachtführers in Betracht kommen. Außerdem sind Versicherungsschutz und gegebenenfalls weitere haftbare Personen zu berücksichtigen. Gegen wen sich der Anspruch richtet, ist in jedem konkreten Fall anhand des Vertrags und der Vorschriften zu bestimmen.

Warum sind Beweismittel bei einem solchen Unfall wichtig?

Rechtsanwältin Gizem Gonce: Navigationsaufzeichnungen, Radar- und AIS-Daten, elektronische Kartenaufzeichnungen, Funkgespräche, Schiffstagebücher und Unterlagen zur Ladungssicherung können eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung des Vorfalls spielen. Die rechtzeitige Sicherung von Beweismitteln ist sowohl für die Verschuldensfeststellung als auch für Schadensersatzansprüche wichtig.

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